Deutsche Presse Agentur dpa

Schnelles Geld und keine Fra­gen — Pfan­dlei­her müssen Ver­trauen geben

Von Sebas­t­ian Kramer, dpa

Sobald ein finanzieller Eng­pass dro­ht, wird im Pfan­dlei­h­haus Schmuck, Elek­tron­ik und heutzu­tage sog­ar das eigene Autos ver­set­zt. Doch wie läuft dieses Geschäftsmod­ell? Und welche Auswirkun­gen hat die Coro­na-Krise auf die Branche?

Frankfurt/Main (dpa) — «Es geht nicht um Geld an sich, es geht um schnelles Geld», fasst der Pfan­dlei­her Bernd Wolf die Vorteile seines Kred­i­tange­botes zusam­men. Seit mehr als 15 Jahren betreibt der gel­ernte Diplom-Wirtschaftsin­ge­nieur neben einem Gebraucht­wa­gen­han­del auch einen Kfz-Pfan­dlei­h­be­trieb in Offen­bach. Von außen deutet nichts darauf hin, dass hier inner­halb weniger Minuten vorüberge­hend Autos gegen Geld getauscht wer­den kön­nen. Auch der Inter­ne­tauftritt ist zurück­hal­tend.

Denn wer kurzfristig Bargeld braucht, aber keinen Kred­it bei ein­er Bank aufnehmen will, kann Wertvolles ins Lei­h­haus brin­gen. Das Ver­sprechen: ein schneller und unbürokratis­ch­er Kred­it. Im Gegen­satz zu herkömm­lichen Banken gibt es bei Wolf und seinen Kol­le­gen keine Bonität­sprü­fung und keine Fra­gen.

In kon­ven­tionellen Pfan­dlei­h­häusern werde vor allem Gold­schmuck ver­set­zt, erk­lärt Wolf­gang Schedl, Geschäfts­führer des Zen­tralver­ban­des des Deutschen Pfand­kred­it­gewerbes. Derzeit komme den Kun­den der gestiegene Gold­preis zugute. Pfan­dlei­h­häuser böten etwas Einzi­gar­tiges, find­et Schedl: «Sie müssen das Geld nicht zurück­zahlen. Sie haften im Extrem­fall lediglich mit ihrem Pfand.»

1950 gegrün­det, ist der Zen­tralver­band mit Sitz in Stuttgart der Branchen­ver­band der pri­vat­en Pfand­kred­it­be­triebe in Deutsch­land. Er ver­tritt etwa 150 Unternehmen, die mehr als 250 Fil­ialen betreiben. Grund­lage des Geschäftsmod­ells ist die Pfan­dlei­hverord­nung von 1961. Sie gibt vor, dass die Rück­zahlung des Kred­its früh­estens nach drei Monat­en und vier Wochen Karenzzeit fäl­lig wer­den darf. Der Zinssatz ist geset­zlich auf einen Prozent pro Monat fest­gelegt. Hinzu kom­men Gebühren für die Schätzung der Wert­ge­gen­stände, deren Auf­be­wahrung und Ver­sicherung.

Mit­tler­weile wer­den nicht nur kleinere Wert­ge­gen­stände für einen kurzzeit­i­gen Kred­it ver­set­zt, son­dern auch Autos und Motor­räder. Elek­tron­ik ist weniger gefragt, weil deren Wert schnell ver­fällt. Bernd Wolf hat sich auf das Pfan­dlei­hgeschäft mit Fahrzeu­gen spezial­isiert. Vor allem Selb­st­ständi­ge aus dem Bau- und Handw­erks­gewerbe kämen zu ihm, um kurzfristige Zahlungsaus­fälle auszu­gle­ichen oder Investi­tio­nen zu täti­gen, berichtet er. «In diesen Branchen kommt es oft vor, dass Kun­den und Auf­tragge­ber zu spät oder gar nicht zahlen», erk­lärt Wolf.

Die in weit­en Teilen medi­en­scheue Branche kämpft noch immer gegen ein neg­a­tives Image. Bei vie­len Men­schen gebe es eine große Hemm­schwelle, ins Pfan­dlei­h­haus zu gehen, sagt Wolf. Ein guter Pfan­dlei­her brauche absolute Ruhe, Diskre­tion und Seriosität. «Er muss Ver­trauen ausstrahlen und dem Kun­den die Angst nehmen vor der Hürde Pfan­dlei­h­haus.» Er erlebe immer wieder, dass Kun­den ihm ihre Prob­leme erk­lären möcht­en, er wolle das aber nicht. «Nicht, weil wir kein Inter­esse haben, son­dern weil es uns ein­fach nichts ange­ht», sagt Wolf. Allein das Pfandgut entschei­de.

Ver­brauch­er­schützer hal­ten den neg­a­tiv­en Ein­druck nicht für gerecht­fer­tigt. Es lägen derzeit keine der­ar­ti­gen Rück­mel­dun­gen oder Beschw­er­den vor, erk­lärt die Ver­braucherzen­trale Sach­sen: «Natür­lich kann es, wie in jedem Bere­ich, schwarze Schafe geben. Hierzu sind uns jedoch keine Beispiele oder Fal­lzahlen bekan­nt.» Die Ver­brauch­er­schützer weisen auf die rel­a­tiv hohen Zin­sen und die zusät­zlichen Gebühren hin. Sie rat­en, sich einen Mark­tüberblick zu ver­schaf­fen und ver­schiedene Ange­bote einzu­holen.

Die bankähn­lichen Pfan­dlei­h­häuser gel­ten als sys­tem­rel­e­vant und durften auch während der Coro­na-Krise öff­nen. Doch anders als man ver­muten kön­nte, wurde während der ersten Monate der Pan­demie nicht mehr verpfän­det als davor. Im Gegen­teil: «Es fand kein Kon­sum statt, also sagten sich die Leute “Ich löse mein Pfand wieder aus”», schildert Ver­bandsvertreter Schedl. Die Folge: erhöhte Aus­lö­sungs- und rück­läu­fige Verpfän­dungszahlen.

Nach­dem die Maß­nah­men zur Bekämp­fung der Pan­demie schrit­tweise zurück­ge­fahren wur­den, habe sich dieser Trend umgekehrt, schildert Schedl. «Wir erleben seit ger­aumer Zeit wieder einen leicht­en Anstieg bei den Verpfän­dun­gen, weil sich eben jet­zt schon die Auswirkun­gen wie Kurzarbeit und Arbeit­slosigkeit bemerk­bar machen.» Der Kon­sum steige wieder an, die Zahl der Verpfän­dun­gen eben­falls.

Das Kfz-Pfand­haus Wolf hat bish­er wenig von der Coro­na-Krise gemerkt. «Wir haben eine andere Kun­den­struk­tur als die kon­ven­tionellen Pfand­häuser. Viele Selb­st­ständi­ge haben Soforthil­fen bekom­men, und im Baubere­ich wurde während Coro­na durchgear­beit­et», sagt Inhab­er Wolf. «Ich ver­mute aber, dass Ende des Jahres noch was kommt.»

Dem Branchen­ver­band zufolge wer­den fast 95 Prozent der Pfandge­gen­stände wieder aus­gelöst, berichtet Schedl: «Das ist auch gut für die Pfan­dlei­her, denn die haben nichts davon, wenn der Kunde nicht in der Lage ist, sein Pfand wieder abzu­holen.» Was nicht abge­holt wird, muss öffentlich ver­steigert wer­den — wird ein Betrag ober­halb der Dar­lehenssumme erzielt, ste­ht dieser Gewinn dem Kun­den zu.